Nach einigen Jahren mit meiner geliebten Canon EOS 30D wurde es endlich Zeit für eine neue, aktuelle Kamera. Wer mich gut kennt, der weiß wie lange ich schon über den Kauf einer neuen Kamera nachdachte. Das war in manchen Kreisen bereits ein Running Gag ;)

Ich liebte meine 30D und gute Fotos konnte ich auch mit ihr machen. Kaputt war sie auch nicht – also wozu wechseln?

Die großen Punkte waren natürlich die verbesserten Sensoren, die Auflösung & der verbesserte Autofokus neuerer Kameras. Letzterer bereitete mir am meisten Sorgen. Gerade bei „schlechterem“ Licht hatte ich oft Probleme. Das bekommt das Model / der Kunde nicht mit, ich hatte genug gute Fotos. Dennoch ärgerte ich mich oft über genau diese vereinzelten unscharfen Fotos.

Nach 8-9 Jahren war es nun aber wirklich Zeit für ein neues Schätzchen. Das war für mich gar nicht so einfach. Eine Bedingung war, dass die Rückseite der Kamera von der Bedienung exakt gleich sein sollte, oder zumindestens 90% gleich. Zum Auswählen eines Fokuspunktes verwende ich seit langer Zeit den kleinen Joystick und mag das sehr. Das wollte ich auch am Liebsten behalten. Ja, ich bin ein Gewohnheitstier ;)

Zudem wollte ich gerne wieder einen größeren, schweren Kamerabody haben.

Diese Voraussetzung schränkte die Wahl schon sehr ein. Nur die 7D Mark II (die 1. war mir eh schon zu „alt“) und die 5D Mark II/III haben diesen Joystick (im Bild rot markiert) und eine ähnliches Gehäuse mit ähnlicher Bedienung.

Kamera Joystick

Die große Frage: Bleibe ich bei einer Kamera mit Crop Sensor oder wechsele ich jetzt auf Vollformat? Ich haderte wirklich sehr lange mit mir…

Einige Argumente gegen Vollformat waren:

  • „Ich fotografiere doch eh oft im Studio und Blitz, jenseits der offenen Blenden, da brauche ich keine hohe rauscharme ISO.“
  • „Ich kann das ein oder andere Objektiv nicht mehr verwenden.“
  • „Eine 5D Mark III ist wahnsinnig teuer“

Bis auf das 3. Argument konnte ich alle selbst widerlegen. Nach kurzer Recherche würden von meinen genutzten Objektiven nur ein Objektiv wegfallen und zwar das Tamron 17-50 2.8. Alle anderen sind EF Objektive und damit sowohl an Crop als auch an Vollformat nutzbar. Ein preiswertes Objektiv wäre also nicht mehr nutzbar. Das ist erträglich und somit ließ mich das Thema Vollformat nicht los.

Warum nicht die 6D?

Preislich ist die 6D natürlich ein Knaller. Vollformat für wenig Geld. Größter Kritikpunkt für mich: Der Autofokus mit nur 1 Kreuzsensor. Die Kreuzsensoren des Autofokus sind die empfindlichsten Sensoren. Nur einen in der Mitte zu haben bedeutet: Fokussieren und schwenken, da man bei starrem Fokussieren nur selten den Bildausschnitt bekommt, der am besten aussieht.. Natürlich hat die 6D nicht nur 1 Fokuspunkt, aber eben nur 1 mit Kreuzsensor, das der Punkt, den ich eben immer wähle, weil er am besten funktioniert.

Wenn ich so viel Geld investiere, wollte ich nicht schon wieder auf dem gleichen Autofokus-Stand bleiben. Klar würde der Autofokus bei der 6D besser sein, als bei meinem alten Schätzchen. Dennoch wollte ich direkt mehr…:)

Ich habe mir gedacht: „Bevor Du Dir ewig Gedanken  machst, ob Du dir nicht hättest die 5D kaufen sollen, nimmst Du die jetzt!“. Passend gab’s grad eine Cashback Aktion, so dass ich 300 Euro weniger bezahlt habe. Beim Klicken des „kostenpflichtig Bestellen“-Buttons habe ich weggeguckt, sonst hätte ich mich vielleicht schon wieder anders entschieden ;) Der Wechsel auf Vollformat fand nun also wirklich statt.

 

Bekommen habe ich die Kamera Anfang Mai. Nun sind also schon 3 Monate – Zeit für ein 1. Fazit. Kurz zusammengefast: Einfach toll! Ich bin so begeistert und mega zufrieden. Ich bereue den Kauf keine Sekunde.

Die längere Fassung folgt:

 

Mußte ich mich umgewöhnen?

Nein. Ja und nein. Da die Knöpfe nahezu gleich angeordnet sind, musste ich mich von der Bedienung her nicht umgewöhnen. Klar, ich musste ein paar Einstellungen ändern, das war aber nichts Nennenswertes.

Der Autofokus und ich sind noch nicht sofort Freunde geworden. Hui, soviele Einstellungen…. Mein Freund musste zunächst als Test-Opfer herhalten. Da er eine Brille trägt, war stets die Brille scharf, anstelle des Auges. Ich war super frustriert. Blumen, Gegenstände, egal ob drinnen oder draußen: Ich war super zufrieden. Doch bei einem simplen Portrait eines Brillenträgers sollte diese Kamera nun scheitern? Natürlich lag es an einer Einstellung, wie ich dann einem Autofokus Manual von Canon las. Mit Nutzung des Spot-AFs war dann alles gut- der Fokus saß zu 98% immer richtig, wie ich es erwartet hatte.

Wenn ich mit offener Blende fotografiere, nutze ich derzeit eigentlich immer den Spot-AF Modus und immer einen einzelnen Fokuspunkt. Apropos Fokuspunkt: Von nur 1 Kreuzsensor bei der 30D auf 41 Kreuzsensoren bei der 5D- das war zwar keine echte Umstellung, aber ist total prima :)

Die Brennweite ist anders. Logisch, da ich den Faktor 1.6 durch den verwendeten Sensor nicht mehr habe. Das macht sich auch sehr bemerkbar-ich brauche weniger Platz :)

Die neue Kamera ist  schwerer als meine alte. Die 250gr mehr machten sich gerade bei den 1. Tests sehr bemerkbar. Inzwischen merke ich den Unterschied aber kaum.
Die Dateien sind größer. Nach den ersten 2-3 Kamera-Test-Shootings war dann meine Foto-Festplatte fast voll und ich mußte mal aufräumen. RAW Dateien vorher: ca. 7 MB pro Datei. Nun: 27MB pro Datei.

Logisch kaufte ich mir nun auch größere Speicherkarten; mit meinen 2 Gb und 4 GB Karten komme ich jetzt nicht mehr weiter  ;-) Ich verwende nun 16 GB Karten (Compact Flash) und empfinde die Größe auch als genau richtig. Die 5D Mark III kann gleichzeitig auf 2 Speicherkarten schreiben- 1x auf eine Compact Flash, und auf eine SD Karte. Die Qualität läßt sich für beide Karten einstellen. Ich nutze die Funktion bisher nicht- ich könnte mir z.B. bei Hochzeiten vorstellen, dass dies ganz praktisch ist. Man hat sein Backup gleich auf einer 2. Karte, und wenn es „nur“ hochauflösende JPEG Files sind, anstelle von RAWs.

Hat sich was an meiner Fotografie verändert?

Meine Fotografie hat sich tatsächlich ein klein wenig verändert.

Die größte Änderung für mich ist wohl, viel seltener zum Blitz zu greifen und häufiger natürliches Licht zu verwenden. Das mag vielleicht auch gerade an einer Phase liegen, bei dem ich einfach liebend gerne natürliches Licht und offene Blende nutze. Doch nicht immer reicht das vorhandene Licht für ISO 100 aus…. Bei der 30D war bei Portraits für mich meistens bei maximal ISO 600 Schluss, dank zu starkem Rauschen. Mit Sicherheit bin ich da auch etwas pingelig, aber mir gefiel es dann irgendwann nicht mehr mit dem Rauschen. So griff ich viel eher zu einem Blitz. Jetzt muss ich mir überhaupt keine Sorgen mehr machen „genug Licht“ zu haben. Das hängt natürlich auch vom Auftrag, vom Motiv und des Ausgabeformates ab. Es fühlt sich auch noch etwas komisch an, mit ISO 4000 zu fotografieren, aber wie man sieht: Das geht sogar sehr sehr gut :

Hier ein 100% Ausschnitt aus einem Welpen Shooting. ISO 4000, f 4. Oben ohne Rauschreduzierung in Lightroom; unten mit.

Rauschverhalten 5D Mark III ISO 4000

 

Gleichermaßen nutze ich viel häufiger eine offene Blende bei f 1.8-f 2.2. Das sorgt zusammen mit dem Canon 85 1.8mm Objektiv für einen tollen Schärfeverlauf. Der ist auch irgendwie „anders“, als mit der alten Kamera. Natürlich konnte ich auch mit der alten Kamera mit offener Blende fotografieren. Dank des Autofokus traute ich mich das aber nur selten. Sicher war nicht immer nur der Autofokus schuld, aber irgendwann hatte ich dann auch keine Lust mehr :D Der Schärfebereich bei einer Blende von 1.8 und 85mm ist nur sehr klein. Wenn der Fokus bei einem CloseUp nicht sitzt, wird das sichtbar sein. Dem Autofokus der neuen Kamera vertraue ich da absolut; auch bei schlechteren Lichtverhätlnissen.  Natürlich ist nicht jedes Bild immer super scharf. Aber einen Fehlfokus habe ich nur äußerst selten; und dann ist er erklärbar wie zB: Model oder ich haben sich bewegt.

Ich würde also sagen, ich bin mutiger & selbstbewußter, weil mein Werkzeug zuverlässig funktioniert. Ich nutze die Möglichkeiten  mehr aus.  Ob das nun ausschließlich an der neuen Kamera liegt, das kann ich nicht sagen. Wie gesagt, vielleicht auch nur eine Phase, dessen Anstoß mir die neue Kamera gegeben hat.